Portät: Ilona Aull ist Vorsitzende der Rettungshundestaffel Kaiserslautern von Klaudia Gilcher

„Ich bin ein Mensch, der die Herausforderung sucht”, sagt Ilona Aull über Ilona Aull. Diese Eigenschaft kommt der 69-Jährigen in ihrem Ehrenamt zugute: Seit zwölf Jahren ist Aull in der Rettungshundestaffel Kaiserslautern - Region Westpfalz aktiv, im achten Jahr die Vorsitzende des Vereins. Die phänomenale Nase eines Hundes fasziniert die vierfache Oma noch immer - auch, wenn sie inzwischen nicht mehr nur mit Labradorhündin Lina im Gelände sucht, sondern öfter der Einsatzleitung assistiert.

 

Es gibt nicht viele Dinge, die Ilona Aull - „Ich bin ein Lauterer Urgestein: hier geboren und nie weggezogen” - an ihrem Ehrenamt nicht mag. Es dauert eine Weile, bis sie im Gespräch damit herausrückt. Denn die Arbeit in der Staffel, die sei auch nach zwölf Jahren noch ein Riesenspaß, sagt die 69-Jährige und ergänzt: „Besonders schön ist immer noch die Arbeit mit dem Hund. Es ist phänomenal, wie gut die Nase eines Hundes arbeitet. Bei jedem Wetter, zu jeder Tageszeit, da kommen Hubschrauber und Wärmebildkameras nicht mit.” So sind es auch nicht die vielen organisatorischen Kleinigkeiten, die Aull als unangenehm empfindet - immerhin sei sie trotz ihres Alters und als Spätberufene richtig fit im Umgang mit dem Computer und erfahre ganz viel Unterstützung im Verein. Ebenso wenig stören die vierfache Oma die Ausbildungen, die der Retter absolvieren muss, um im Ernstfall Vermissten wirklich helfen zu können: Funkkurse, Erste Hilfe für Hund und Mensch, Karten- und Kompasskunde, GPS-Anwendungen. „Es ist das Spendensammeln in der Fußgängerzone in der Weihnachtszeit, das mir und anderen Vereinsmitgliedern nicht leicht fällt”, sagt Aull. „Aber es geht ja um die Sache.”

„Die Sache” ist ein ehrenamtlicher und kostenloser Dienst an der Allgemeinheit: Die Rettungshundestaffel Kaiserlautern sucht, auf Anforderung, in der gesamten Westpfalz vermisste Personen. „Viele Menschen denken immer, wir gehen in Katastrophengebiete”, räumt die Vorsitzende mit einem Vorurteil auf. „Aber auch hier vor Ort werden oft Menschen vermisst. Das können verwirrte Senioren sein, ausgerissene Kinder, Unfallopfer unter Schock oder auch Selbstmordgefährdete.”

Nicht immer sind die Bilder, die die Helfer zu sehen bekommen, schön. Manche verfolgen die Retter geradezu. Auch Ilona Aull kennt solche Erlebnisse, die Kopf und Seele lange nicht loslassen. Für die Zeitung taugen diese Geschichten aber nicht, findet sie. „Mir war von Anfang an klar: Wenn ich die Ausbildung mache, dann gehe ich auch in den Einsatz”, betont sie.

Hochgeladene BilddateiDie Ausbildung zum Hundeführer eines Flächensuchhundes begann für Ilona Aull und ihre schwarze Labrador Retriever-Hündin Cleo vor zwöf Jahren. „Die Kinder waren aus dem Haus und ich wollte unbedingt etwas Sinnvolles mit dem Hund tun”, erinnert sich Aull. „Ich bin ein Mensch, der immer die Herausforderung sucht.” Heute ist Cleo über 15 Jahre alt und im Ruhestand. Nun bildet die vier Jahre alte ebenfalls schwarze Labradorhündin Lina ein Team mit Ilona Aull. Jederzeit, sagt Aull, könne sie mit Lina im Gelände Personen suchen. Allerdings hat sich ihr Aufgabengebiet im Einsatz etwas ins Organisatorische verschoben. Aull assistiert der Einsatzleitung, hält beispielsweise Funkkontakt zu den Suchteams im Gelände, notiert Positionen, sorgt für Ablösungen.

Rund um die Uhr sind die Mitglieder der Suchhundestaffel rufbereit. Sie finanzieren sich durch Spenden und zahlen vieles selbst „Enorm wichtig ist für uns, dass wir eine Katastrophenschutzeinheit von Landkreis und Stadt sind”, betont Aull. Das bedeute nicht nur Anerkennung und mehr öffentliche Wahrnehmung, sondern auch finanzielle Unterstützung, etwa beim Einsatzfahrzeug.
„Ich kann mich nach wie vor motivieren”, betont Aull, die trotz Hundetraining und organisatorischer Arbeit auch noch genug Zeit für die Enkel und den Ehemann findet, wie sie sagt. „Es macht Riesenspaß und wir in der Staffel können uns aufeinander verlassen. Ich wünsche mir, dass es so weiter geht. Und dass wir weiter im Katastrophenschutz als Staffel anerkannt bleiben.”

Quelle: Pressebericht

Bildquelle: Klaudia Gilcher

Textquelle: MARKTPLATZ-Marktplatz Kaiserslautern, Ausgabe Nr.183 vom 08.08.2012